Hormondiagnostik zur Funktionsprüfung der Schilddrüse

   
 
Das basale TSH gilt heute als der empfindlichste Screeningtest zur Erfassung der Schilddrüsenfunktion (Spencer CA). Ergänzend sind FT4, FT3 und der TRH-Stimulationstest wertvolle Entscheidungshilfen.
   
 
Klinische Situation TSH FT4 FT3 TRH-Stim.
-test
anti TPO
/anti Tg
TRAK Bemerkungen
1. Ausschluss einer              
Hypothyreose + +          
subklinischen Hypothyreose + +   (+)      
Hyperthyreose + + +        
subklinischen Hyperthyreose + + + (+)      
2. Ätiologie einer Schilddrüsendysfunktion
Hypothyreose + + (+)   + +  
Hyperthyreose + + (+)   + +  
Struma + + (+) + + + Evtl. Tg im RTH-Test, Jodid-Ausscheidung
3. Therapiekontrollen              
Therapie der Hyperthyreose (z.B. mit Thyreostatika)
akut (< 3 Monate)   + +        
chronisch (> 3 Monate) + + + (+)      
FT4-Substitution der Hypothyreose
akut (< 2 Monate)   + +        
chronisch (> 2 Monate) + + (+) (+)      
FT4-Suppressionstherapie + + + (+)      
4. Ausschluss einer Hypothyreose
hypophys./hypothal. + + (+) +     Hauptsächliche Parameter TRH-Test und FT4
5. Schilddrüsenresistenz-Syndrom
generalisiert + + + +     Klin. euthyreot oder hypothyreot
zentral + + + +     Klin. hyperthyreot oder euthyreot
   
 
Bei schwerkranken Patienten können FT4- und FT3-Werte unter Umständen nicht der üblichen Konstellation entsprechen, daher gilt: Verlaufskontrolle (Schilddrüsenfunktion) nach Erhohlung zur definitiven Beurteilung.
   
 
Prognostische Faktoren
Thyreoglobulin
Anstieg unter T4-Suppression: Hinweis auf eine Metastase einer Schilddrüsen-CA, bzw. schlechte Ansprechbarkeit auf Therapie bei Struma-Rezidivprophylaxe.
   
TRAK
Anstieg nach thyrepostat. Therapie/Strumektomie bei Hyperthyreosen (M. Basedow) Rezidiv wahrscheinlich.
   
 
Zusätzliche Erläuterungen zur Schilddrüsenabklärung
 
TRH (TSH-Releasing-Hormon, Thyreotropin-Releasing-Hormon) stimuliert die TSH-Ausschüttung aus der Hypophyse und führt zu einem Anstieg der peripheren T3- und T4-Konzentrationen. Der TRH-Test ist der empfindlichste Schilddrüsenfunktionstest und erfasst sowohl die leichtesten (subklinischen) Formen der Hyper- wie auch Hypothyreose. Ein normaler (euthyreoter) TRH-Test schliesst bei normalem FT4 jegliche Form der Schilddrüsendysfunktion aus.
   
 
TRH-Stimulationstest
Oraler TRH-Test:
Vom Patienten wird morgens nüchtern Blut entnommen ("TSH-I"), danach eine Tablette TRH-Merck (40 mg) verabreicht. Der Patient bleibt anschliessend eine Stunde nüchtern. Danach erhält er ein Frühstück ohne Kaffee, nach weiteren zwei Stunden, d.h. drei Stunden nach Verabreichung der TRH-Tablette, wird wiederum Blut entnommen ("TSH-II") und der TSH-Wert in beiden Proben bestimmt. Anschliessend wird das delta-TSH (TSH-I - TSH-II) berechnet.
 
Intravenöser TRH-Test:
Vom Patienten wird Blut entnommen ("TSH-I"). Anschliessend werden intravenös 200 µg TRH (z.B. TRH-Merck) verabreicht und nach 30 Minuten eine zweite Blutprobe ("TSH-II") entnommen. In beiden Proben wird TSH bestimmt und das delta-TSH berechnet.
 
Nasaler TRH-Test:
Vom Patienten wird am besten morgens (nach einem leichten Frühstück) Blut entnommen ("TSH-I"). Anschliessend wird im Liegen in jedes Nasenloch ein Sprühstoss TRH verabreicht und nach 30 Minuten eine zweite Blutprobe ("TSH-II") entnommen. In beiden Proben wird TSH bestimmt und das delta-TSH berechnet. Der Spray wird von der Firma Hoechst unter der Bezeichnung "Relefact® TRH nasal" vertrieben.
 
Beim TRH-Test zu beachten:
Chron. Glucocorticoid-Therapie kann zu einem teilweise verminderten Anstieg im stimulierten TSH-Spiegel führen. Koffein kann die Antwort der Hypophyse auf TRH verändern. Daher sollte kein Kaffee oder Schwarztee vor oder während dem TRH-Test eingenommen werden.
   
 
Antikörperabklärungen
TRAK (TSH Rezeptor Antikörper):
Eindeutig erhöhte Werte für M. Basedow beweisend. Werden in 70-90 % der Patienten mit M. Basedow gefunden.
 
Eigentliche "Schilddürsen-Antikörper":
Microsomale Schilddrüsen-Antikörper (gegen das Enzym Schilddrüsenperoxidase) und Thyreoglobulin-Antikörper (gegen Thyreoglobulin gerichtet) sind Marker für den Autoimmunprozess der Schilddrüse und reflektieren die lymphozytäre Infiltration der Schilddrüse.
 
Andere Autoimmun-Antikörper:
Bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse kommen andere Autoimmunerkrankungen häufiger vor als bei Patienten ohne nachweisbare Schilddrüsenautoantikörper. Daher empfiehlt sich die Bestimmung der Nebennierenrinden-Antikörper (positiv bei M. Addison), der Parietalzell-Antikörper (A. Perniziosa) sowie der Inselzell-Antikörper (Diabetes) als initiales "Staging".