Tumormarker

 
Zur Beachtung:
Proben von Patienten, die aus diagnostischen oder therapeutischen Gründen Präparate mit monoklonalen Maus-Antikörper erhalten haben, können humane Anti-Maus-Antikörper (HAMA) enthalten. Solche Proben können bei einer Untersuchung mit Testkits, die monoklonale Maus-Antikörper verwenden, falsch erhöhte oder erniedrigte Werte haben.
   
Unter dem Begriff Tumormarker versteht man Substanzen, deren Auftreten oder erhöhte Konzentration in Körperflüssigkeiten im Zusammenhang mit dem Vorhandensein und/oder dem Verlauf von malignen Tumoren stehen. Man kann dabei unter Markern unterscheiden, die von den Tumorzellen selbst produziert werden (was deren höhere Spezifität verglichen mit anderen Markern erklärt), und Marker, die durch den Tumor induziert werden (sie spiegeln die verschiedenen Reaktionen des Wirtorganismus auf das neoplastische Geschehen wieder). Für die Laboratoriums-Diagnostik sind in erster Linie die vom Tumor produzierten Marker, auch tumorassoziierte Antigene genannt, von Bedeutung. Diese Marker weisen zwar bei Krebserkrankungen gehäuft erhöhte Serumspiegel auf, doch werden sie auch durch nicht neoplastische Prozesse beeinflusst und selten werden sie sogar bei völlig Gesunden in ungewöhnlich hohen Konzentrationen gefunden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tumor vorliegt, nimmt jedoch mit der Höhe des Markerspiegels zu, was im Einzelfall aber keine sichere differenzialdiagnostische Unterscheidung zwischen neoplastischen und nicht-neoplastischen (z.B. entzündlichen Erkrankungen) ermöglicht. Aus diesem Grund können erhöhte Tumormarkerwerte in der Primärdiagnostik allenfalls als Hinweis, keinesfalls aber als Beweis für eine Neoplasie gelten. Wiederholte Bestimmungen, die eine passagere Markererhöhung ausschliessen sollen, können zwar einen Tumorverdacht erhärten, doch ebenfalls nicht insoweit sichern, dass sie zu therapeutischen Massnahmen verleiten dürfen. Im folgenden sind die wichtigsten Tumormarker aufgeführt:
   
 
AFP (alpha-Fetoprotein) CA 72-4 NSE (Neuron-spezifische Enolase)
beta-2-Microglobulin CA 125 PSA gesamt (prostataspez. Antigen)
CA 15-3 CEA (Carcinoembrionales Antigen) SCC (Squamous Cell Carcinoma)
CA 19-9 CYFRA 21-1 Thyreoglobulin
 
   
 
Empfohlene Kontroll-Untersuchungen
Postoperativ bzw. vor Chemo- und/oder Radiotherapie
-  2-10 Tage nach Operation/Therapie
-  innerhalb des 1.+2. Jahres vierteljährlich
-  vom 3.-5. postoperativen Jahr halbjährlich
   
Vor Therapiewechsel
-  bei V.a. Rezidiv bzw. Metastasierung
-  bei erneutem Staging
-  14-30 Tage nach Feststellung eines Tumormarker-Anstiegs
   
 
Unspezifische Erhöhungen
 
Temporär erhöhte Tumormarker-Werte können bei entzündlichen Erkrankungen des Verdauungstraktes, Leberzirrhose, Cholestase und Niereninsuffizienz auftreten. Sie sind jedoch inkonstant und zeigen keinen progredienten Verlauf.
   
 
Indikation für Tumormarker-Bestimmungen
 
Marker Screening Diagnose Verlaufskontrolle Prognose
CEA C-Zelltumoren C-Zelltumoren Colon, Mamma, Lunge, C-Zelltumoren Colon
AFP Risikogruppe Keimzell-, Leberzelltumoren Keimzell-, Leberzelltumoren Keimzelltumoren
CA 15-3     Mamma  
CA 19-9   Pankreas Pankreas, Gallenwege  
CA 50   Pankreas Pankreas, Gallenwege  
CA 72-4     Magen, Ovar  
CA 125     Ovar  
CYFRA 21-1     Bronchus (NSCLC)  
PSA gesamt   Prostata Prostata  
NSE   Lunge - kleinzellig Lunge - kleinzellig, Neuroblastom, Apudom  
SCC     HNO-Tumoren, Zervix, Ösophagus  
Calcitonin C-Zelltumoren C-Zelltumoren C-Zelltumoren C-Zelltumoren
beta-HCG Risikogruppe Kleinzelltumoren, torphoblastische Tumoren Kleinzelltumoren, trophoblastische Tumoren Kleinzelltumoren, trophoblastische Tumoren
TPA/TPS     Blase, ev. zusätzlich zu anderen Tumormarkern bei versch. Tumoren  
Thyreoglobulin     Differenziertes Schilddrüsen-Karzinom  
beta-2-Microglobulin     Multiples Myelom (MM), Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) MM, (NHL)